Wirtschaft

New Yorks Wirtschaft blickt Einbruch entgegen

Die lokale Wirtschaft der amerikanischen Metropole New York City steht vor beträchtlichen Abwärtsrisiken, ausgelöst durch Europas eskalierende Staatsschuldenkrise. In einem jüngst publizierten Bericht durch den Rechnungsprüfer heißt es, dass die in der Stadt ansässigen Banken mehr als $1 Billionen an Vermögenswerten halten, in deren Hinblick sie als aktive Kreditgeber fungieren. Sollte ein Teil dieser Darlehen abgeschrieben werden müssen dürfte die Stadt zusätzlichen Finanzproblemen entgegenblicken.

New York City: Fatale Abhängigkeit von Bankensektor

Die lokale Wirtschaft der Stadt New York ist mit Europa insbesondere deshalb verbunden, weil Unternehmen aus dem Nicht-Finanzbereich signifikante Geschäftsaktivitäten mit ihren europäischen Pendants aufweisen. Zudem strömen in jedem Jahr Millionen von Touristen aus Europa in die Stadt, wie es in einem jüngst veröffentlichten Bericht des städtischen Rechnungsprüfers John Liu heißt. Im Angesicht dieser enormen kommerziellen Interaktionen seien die durch Europas Staatsschuldenkrise ausgelösten negativen Effekte auf die Wirtschaft New Yorks alarmierend. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die jetzige Entwicklung die bereits seit geraumer Zeit existierenden Budgetprobleme der Stadt vergrößern wird, wie Liu in einer ergänzenden Erklärung mitteilte. Dieses Problem könnte die öffentlichen Finanzen New Yorks weiter unter Druck setzen, die bereits durch den Stellenabbau in obersten Industrieetagen belastet werden. Ein enormer Stellenabbau vollzog sich im Jahr 2011 vor allem in Bezug auf das ökonomische Herzstück der Stadt: der Wall Street.

Der demokratische Rechnungsprüfer warnte, dass Bürgermeister Michael Bloomberg dabei sei, einige der sich neu abzeichnenden Finanzrisiken zu unterschätzen. Seine Liste beinhaltet unter anderem die Schwierigkeit, Arbeitsverträge für Lehrer und andere Angestellte im Bildungssektor auszuhandeln, die in den kommenden Jahren keine Lohnerhöhungen vorsehen. Darüber hinaus bestünde die Möglichkeit, dass der liquiditätsschwache Bundesstaat New York über $200 Millionen an Subventionen für die lokale Wirtschaft streichen wird. Ein Sprecher des Bürgermeisters, der zuletzt von einem äußerst ungewissen Wirtschaftsausblick für New York warnte, erklärte, dass alles getan werden müsse, um das Finanzhaus der Stadt in Ordnung zu halten. Die durch Liu adressierten Risiken könnten die Budgetlücke der Stadt im aktuellen Finanzjahr auf $1,7 Milliarden ansteigen lassen. Im Jahr 2013 wird das Finanzloch wahrscheinlich bei $3,2 Milliarden, in 2014 bei $4,4 Milliarden und in 2015 bei satten $5 Milliarden liegen. Diese Berechnungen liegen fast im Einklang mit den Prognosen des parteiunabhängigen Bürgermeisters Bloomberg.

Positiv ist anzumerken, dass der Rechnungsprüfer der Stadt die jährlich anfallenden Kosten für die insgesamt fünf Pensionsfonds der Stadt günstiger als bislang einschätzte als durch das Büro Bloombergs prognostiziert. Bis zum Finanzjahr 2015 könnte es zu Einsparungen von bis zu $1 Milliarde in diesem Bereich kommen. Die Stadt New York City profitiert normalerweise davon, wenn die Aktienmärkte steigen, da die Steuereinnahmen seitens profitabler Banken und Brokerfirmen anziehen. Doch momentan vollziehen die Märkte eine Achterbahnfahrt mit ungewissem Ausgang. Das Büro des Rechnungsprüfers geht davon aus, dass eine anhaltende Volatilität an den Aktienmärkten und niedrige Zinsen institutionelle Investoren weiter dazu ermutigen werden, ihre Portfolios in Richtung der gewerblichen Immobilienmärkte umzuschichten. Dies gelte insbesondere für erstklassige Märkte wie New York City, wodurch die Transaktionen in diesem Sektor stimuliert werden dürften, wie es in dem Bericht abschließend hieß.