Eurozone

Euro-Banken schrumpfen ihre Bilanzen um weitere €950 Milliarden

Europäische Banken, die durch internationale Aufsichtsbehörden unter Druck geraten, ihr Kapital aufzustocken, verkaufen zurzeit einige ihrer am schnellsten wachsenden Geschäftszweige an Wettbewerber außerhalb der Region – auf Kosten von zukünftigen Gewinnen und wirtschaftlichen Wachstums. Nicht nur Spaniens Banco Santander, Belgiens KBC Groep und Deutschlands Deutsche Bank, sondern auch etliche kleinere Institute beschleunigen ihre Pläne, aus profitablen Operationen außerhalb ihrer Heimatmärkte auszusteigen.

Europas Banken befinden sich inmitten einer anhaltenden Bilanzschrupfung

Spaniens Banco Santander, erklärte im Oktober, dass die Bank ein 5,2 Milliarden Euro großes Kapitalloch zu stopfen habe, was in der letzten Woche zum Verkauf der kolumbianischen Sparte an Chiles Corpbanca führte. Insgesamt erlöste Santander für den Verkauf der südamerikanischen Tochter einen Betrag in Höhe von $1,16 Milliarden. Die Deutsche Bank wägt gerade ihre Optionen ab, darunter ein potenzieller Verkauf einer ihrer Vermögensmanagementsparten, während man bei Belgiens KBC über eine Veräußerung der polnischen Aktivitäten nachdenkt. Im Angesicht solcher Verkäufe besteht das Risiko, langfristig Gewinne einzubüßen, gerade in einer Zeit, in der Europa wahrscheinlich abermals in eine Rezession eintreten wird, wie Investoren mitteilten. Diese Entwicklung ist unbeabsichtigte Konsequenz der Entscheidung europäischer Aufsichtsbehörden, die regionalen Banken dazu zu zwingen, ihr Kernkapital bis Ende Juni 2012 – anstatt bis 2019 – auf 9% zu erhöhen.

Viele Banken lehnen Kapitalerhöhungen zum jetzigen Zeitpunkt rigoros ab, da die Aktienkurse zuletzt einfach zu stark in den Keller sanken. Anstatt dessen verkaufen die Kreditgeber profitable Vermögenswerte, weil es für sie immer problematischer wird, genügend Käufer für ihre Not leidenden Kredite zu finden. Investoren sind der Ansicht, dass durch die geplanten Verkäufe das Risiko bestünde, dass Banken mit Schuld an einer weiterhin stagnierenden Wirtschaft tragen könnten. Außerhalb Europas wird sich ihr wirtschaftliches Wachstums als rückläufig erweisen, da sie die bisherigen Gewinne aus ihren Auslandstöchtern einbüßen.

Diese sind allerdings die profitabelsten Teile ihres Geschäfts, wie Beobachter erklärten. Vor allem die Verkäufe spanischer und portugiesischer Institute in Südamerika werden in dieser Hinsicht angeführt. Die Institute werden durch die Aufsichtsbehörden jedoch dazu gezwungen, diese Verkäufe vorzunehmen. Dadurch werden Europas Banken in der Zukunft deutlich schrumpfen, da sie weniger profitablen Organisationen avancieren.

Ihr bisheriges Geschäftsmodell hört schlichtweg auf zu funktionieren, wenn sie dazu gezwungen werden, Kapital an eine Wirtschaft zu verleihen, die durch eine tiefe Rezession geht. Die Schrumpfung reduziert die Erträge in bezug auf den Nettovermögenswert durchschnittlich um 1,5 Prozentpunkte. Die Erträge der in Frankfurt ansässigen Deutsche Bank AG werden um fast 1 Prozent schrumpfen und bei Santander gehen Experten von etwa 0,8 Prozentpunkten aufgrund eines sich fortsetzenden Schuldenabbaus aus. Die schrumpfende Wirtschaft wird zu einer Reduzierung der Erträge um zusätzliche 2,5 Prozentpunkte beitragen. Für Banken ist der Verkauf von Vermögenswerten im Gegensatz zu Kapitalerhöhungen ein günstigerer Weg, um sich frisches Kapital zu beschaffen. Viele Banken werden momentan zu 50% ihres Bilanzwerts gehandelt. Wenn sich Vermögenswerte für mehr als diesen Betrag verkaufen lassen, ist dies ein deutlich vorteilhafterer Weg, um Kapital aufzunehmen. Banken in ganz Europa haben angekündigt, sich von Vermögenswerten in einem Gegenwert von 950 Milliarden Euro zu trennen.

An die zwei Drittel davon werden aus Verkäufen profitabler Einheiten und sich gut entwickelnder Vermögenswerte stammen. Verkäufe von Not leidenden Vermögenswerten und faulen Krediten werden nur 4% oder an die 100 Milliarden Euro beitragen. Die Frage ist: wann verkauft eine Bank die guten Vermögenswerte und behält die riskanteren? Es besteht das Risiko, dass Banken in diese Richtung tendieren werden. Potenzielle Käufer wie Hedgefonds oder Private-equity Unternehmen bieten für Not leidende Vermögenswerte seit geraumer Zeit einfach zu niedrige Preise an.

Für Banken würde ein solcher Notverkauf zu Verlusten führen, die sie just zu einer Zeit, in der sie ihr Kapital aufstocken müssen, nur schwer verkraften können. Kreditgeber verkaufen deshalb vor allem liquidere Vermögenswerte, damit sie dafür einen Preis erzielen, der zusätzliche Kapitalverluste vermeidet. Leider kann diese Strategie in einer geringeren Qualität der gehaltenen Vermögenswerte und einer zunehmenden Volatilität der Ertragsentwicklung führen.